Die Geschichte des Gutes

Das ganze Gebiet rund um den Westensee, und damit auch Bossee, gehörte im Mittelalter den Herren vom Westensee. Nachdem dieses Geschlecht in der Mitte des 14. Jahrhunderts dem Raubrittertum verfällt und fast gleichzeitig ausstirbt übernehmen die Herren v. Ahlefeldt den Besitz. In jener Zeit war das Wasser ein wichtiges Transportmittel. Der Westensee bot sich nun wenn man von Holstein nach Westen wollte als Handelsweg an. Daher wurden 2 Burgen erbaut, die Hoh- und die Lohburg, wobei die Lohburg unmittelbar unter Bossee auf einer Insel stand. Die Burgen wurden jedoch zerstört.

Auch zeigen die Hünengräber und Urnenfriedhöfe in Bossee, dass es ein alter Siedlungsplatz war. Während der Ahlefeldtschen Zeit wurde in Bossee das erste Herrenhaus erbaut, wahrscheinlich zwischen 1523 und 1561, wobei die alten Kellergewölbe noch älter sein können.

Es begannen bald raue Zeiten, in denen Bossee oft den Besitzer wechselte. Es wird von Erbstreit, Mord und von Konkurs berichtet. So war Bossee unter der Herrschaft der Herren von Brockdorff, Qualen und Rantzau. Jasper Rantzau ist Schöpfer des einmalig schönen Wirtschaftshofes. Das Torhaus steht zwar nicht mehr und die Scheune wurde 1924 stark umgebaut, das Kuhhaus ist aber weitestgehend so erhalten.

1715 ging Bossee an Cai Rumohr. Die Familie Rumohr war im Umkreis sehr beliebt und hatte viele Kontakte und wurde unter anderem in die Verhandlungen zwischen Dänemark, Russland und Oldenburg einbezogen. Als Henning Bendix v. Rumohr stirbt, verkauft seine Frau an einen Herrn Pauly aus Hamburg. Im dieser Zeit wurde vermutlich das Herrenhaus umgebaut, die beiden Sandsteinlöwen davor gesetzt und 1760 wurden die Kavaliershäuser erbaut. 1783 ließ Pauly die Hofglocke gießen, die bis heute stündlich schlägt. Georg Friedrich Pauly verkaufte das Gut Bossee für 300.000 Reichstaler an einen Herrn Jenisch aus Hamburg.

Nach verschiedenen Besitzerwechseln kaufte Detlev Heinrich v. Bülow 1824 das Gut Bossee im Konkursverfahren. Seitdem ist das Gut in den Händen der Familie von Bülow geblieben. Unter Detlev v. Bülow wurde der Hof stark modernisiert. Das Torhaus wurde abgerissen und an seiner Stelle ein Wasserturm mit anschließenden Wirtschaftsgebäuden errichtet. Der Wasserturm versorgte bis vor 20 Jahren noch den gesamten Hof. Das Herrenhaus erhielt 1897 durch den Architekten A. Petersen seine heutige äußere Gestalt.

Auf Detlev folgte sein Sohn Adolf und auf ihn wiederum sein Sohn Cai-Friedrich. Das Dorf Brux wurde nach dem 1. Weltkrieg an die Kieler Höfebank verkauft, die Meierhöfe Rolfshörn und Schönhagen in der Bodenreform nach 1948 vom Gut abgetrennt. Heute umfasst Bossee gut 1000 ha, davon allein 600 ha Wald und 300 ha Ackerland. Seit 2001 ist Bossee in der Hand von Dr. Detlev von Bülow, der wie seine Vorfahren ein Freund von Wald und Wild ist. Durch die Eichen und Kastanienbestände in Bossee hat sich auch das Damwild vermehrt, was zur Freude aller Jäger und Genießer beiträgt.